Schlaganfall bei jungen Menschen: Warum die Fälle zunehmen

Ein Schlaganfall wird häufig mit höherem Alter in Verbindung gebracht. Doch aktuelle Forschung zeigt eine andere Entwicklung: Während die Schlaganfallrate bei älteren Menschen zurückgeht, steigt sie bei jüngeren Erwachsenen deutlich an.
 
Eine US-amerikanische Studie zeigt, dass sich die Schlaganfallrate bei Menschen unter 54 Jahren zwischen 1994 und 2020 nahezu verdoppelt hat. Die Entwicklung wirft die Frage auf, welche Faktoren hinter diesem Anstieg stehen und warum Schlaganfälle zunehmend auch Menschen mitten im Berufsleben betreffen.
 

Schlaganfälle bei Jüngeren nehmen deutlich zu

Forscher der University of Cincinnati untersuchten die Entwicklung von Schlaganfällen bei Menschen zwischen 20 und 54 Jahren. Dafür wurden sechs Untersuchungszeiträume zwischen 1993 und 2020 betrachtet. Insgesamt flossen Daten von 2’076 Menschen ein, die erstmals einen Schlaganfall erlitten hatten.
Das Ergebnis fällt deutlich aus: 1994 lag die Schlaganfallrate bei den unter 54-Jährigen bei rund 34 Fällen pro 100’000 Menschen. Im Jahr 2020 waren es bereits rund 62 Fälle pro 100’000 Menschen.
Bei Menschen ab 55 Jahren zeigte sich dagegen eine entgegengesetzte Entwicklung. Dort sank die Rate im gleichen Zeitraum von rund 619 auf 453 Fälle pro 100’000 Menschen.
 

Besonders ischämische Schlaganfälle nehmen zu

Der Anstieg bei den jüngeren Menschen betrifft vor allem ischämische Schlaganfälle. Dabei wird die Blutversorgung eines Teils des Gehirns durch ein verschlossenes Blutgefäss unterbrochen.
Die entsprechende Rate stieg laut der Studie von rund 24 auf 47 Fälle pro 100’000 Menschen und Jahr. Für Schlaganfälle, die durch Hirnblutungen verursacht werden, fanden die Forscher dagegen keinen vergleichbaren Anstieg.
 

Welche Risikofaktoren eine Rolle spielen

Ein Teil der Entwicklung lässt sich durch bekannte Risikofaktoren erklären. Unter den jüngeren Schlaganfallpatientinnen und -patienten nahmen beispielsweise Bluthochdruck, Diabetes und Vorhofflimmern zu.
Auch Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen können die Gefässe belasten und das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen. Problematisch ist dabei, dass insbesondere Bluthochdruck bei jüngeren Menschen häufig lange unentdeckt bleibt.
Die bekannten Risikofaktoren erklären den Anstieg allerdings nicht vollständig. In Untersuchungen nahm die Schlaganfallrate bei jüngeren Menschen teilweise auch dann zu, wenn keine klassischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes vorlagen und die Betroffenen nicht rauchten.
 

Auch Drogenkonsum hat zugenommen

Die US-amerikanische Untersuchung zeigt zudem eine deutliche Veränderung beim Drogenkonsum unter den jüngeren Schlaganfallpatienten. 1994 gaben rund 4,6 Prozent der Betroffenen an, Drogen konsumiert zu haben. 2020 waren es bereits 40,2 Prozent.
Besonders häufig wurde dabei Marihuana genannt. Die Daten zeigen damit einen Zusammenhang, erlauben jedoch keine einfache Aussage darüber, welche Faktoren den beobachteten Anstieg tatsächlich verursachen.
 

Welche Rolle spielt psychischer Stress?

Auch psychischer Stress wird als möglicher Einflussfaktor untersucht. Eine internationale Übersichtsarbeit von Forschern der Universität Oxford wertete Studien zu Schlaganfällen bei Menschen unter 55 Jahren aus.
In 24 von 36 Studien mit Daten aus der Zeit nach 2000 stiegen die Schlaganfallraten bei jüngeren Menschen an. Die Entwicklung zeigte sich damit nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Regionen.
Die Oxford-Forscher untersuchten unter anderem den Zusammenhang zwischen empfundenem Stress und Schlaganfällen. Bei Menschen zwischen 18 und 49 Jahren war stärker wahrgenommener Stress mit einem höheren Risiko für Schlaganfälle verbunden, deren Ursache medizinisch nicht eindeutig geklärt war.
Allerdings lässt sich daraus noch keine eindeutige Ursache ableiten. Die bisherigen Untersuchungen zeigen Zusammenhänge, beweisen jedoch nicht, dass Stress, lange Arbeitszeiten oder andere Faktoren den Anstieg der Schlaganfälle verursachen.
 

Warum Prävention bereits in jungen Jahren wichtig ist

Die aktuellen Forschungsergebnisse machen deutlich, dass Gefässgesundheit nicht erst im höheren Lebensalter relevant wird. Bluthochdruck, Diabetes und andere Risikofaktoren können bereits bei jüngeren Menschen auftreten und sollten entsprechend ernst genommen werden.
Regelmässige medizinische Kontrollen können dabei helfen, bislang unerkannte Risikofaktoren festzustellen. Besonders wichtig ist dies bei Menschen, die bereits andere gesundheitliche Belastungen oder ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko haben.
Ein Schlaganfall kann auch Menschen treffen, die noch mitten im Berufsleben stehen. Deshalb sollte die Prävention nicht erst mit dem Rentenalter beginnen.
 

Der Anstieg muss weiter untersucht werden

Die Forschung liefert wichtige Hinweise darauf, dass sich das Risiko für Schlaganfälle bei jüngeren Menschen verändert. Gleichzeitig ist noch nicht abschliessend geklärt, warum sich die Entwicklung so deutlich von jener bei älteren Menschen unterscheidet.
Mehrere Faktoren könnten gleichzeitig eine Rolle spielen. Dazu gehören klassische Gefässrisiken, Stoffwechselerkrankungen, Übergewicht, Drogenkonsum und möglicherweise auch psychische Belastungen.
Weitere Untersuchungen sind deshalb notwendig, um die Ursachen besser zu verstehen und gezielte Präventionsstrategien zu entwickeln.
 

Was das für das Gesundheitswesen bedeutet

Wenn Schlaganfälle häufiger jüngere Menschen betreffen, hat dies auch Auswirkungen auf die medizinische Versorgung. Eine frühzeitige Erkennung von Risikofaktoren, eine gute Prävention und eine schnelle Behandlung im Notfall gewinnen dadurch weiter an Bedeutung.
Für medizinische Fachpersonen bedeutet dies, kardiovaskuläre und neurologische Risiken auch bei jüngeren Patientinnen und Patienten aufmerksam zu berücksichtigen. Gerade in der Hausarztmedizin kann die frühzeitige Erkennung von Bluthochdruck, Diabetes und anderen Risikofaktoren eine wichtige Rolle spielen.
 

Karriere im Schweizer Gesundheitswesen

Das Schweizer Gesundheitswesen bietet Ärztinnen, Ärzten und weiteren medizinischen Fachkräften vielfältige Möglichkeiten, sich in der Prävention, Diagnostik und Behandlung neurologischer und kardiovaskulärer Erkrankungen einzubringen.
SwissPromed unterstützt medizinische Fachkräfte bei der Suche nach passenden beruflichen Perspektiven in der Schweiz und begleitet den Bewerbungsprozess individuell.
 
Jetzt unverbindlich beraten lassen

Beratungsgespräch buchen

Aktuelle Stellenangebote entdecken

Offene Stellen in der Schweiz
 

Quellenhinweis

Dieser Beitrag basiert auf aktuellen Informationen sowie einem Fachartikel von WELT.
Den Originalbeitrag finden Sie hier:

https://www.welt.de/gesundheit/article6ab62ed4a8b3f6fdb1edad43/gehirn-wir-beobachten-einen-rapiden-anstieg-von-schlaganfaellen-bei-jungen-menschen.html