Immunsystem stärken: Was wissenschaftlich belegt ist und was nicht

Wenn die Temperaturen sinken und Erkältungen häufiger auftreten, wächst das Interesse an Möglichkeiten, das Immunsystem zu stärken. In sozialen Medien, Ratgebern und Werbeanzeigen werden zahlreiche Produkte und Methoden angepriesen, die vor Krankheitserregern schützen sollen. Doch nicht jedes Versprechen hält einer wissenschaftlichen Überprüfung stand.
Das Immunsystem ist ein komplexes Netzwerk aus verschiedenen Zellen und Mechanismen. Es schützt den Körper vor Viren, Bakterien und Parasiten. Entscheidend ist dabei nicht eine möglichst starke, sondern eine angemessen regulierte Immunantwort. Wissenschaftlich belegt ist bislang nicht, dass sich die Immunfunktion durch einzelne Mittel gezielt und allgemein wirksam steigern lässt.
 

Warum sich das Immunsystem nicht einfach stärken lässt

Die körpereigene Abwehr besteht aus zahlreichen Zelltypen, die unterschiedliche Aufgaben übernehmen und auf verschiedene Krankheitserreger reagieren. Diese Prozesse sind eng miteinander verknüpft. Eine pauschale Steigerung der Immunaktivität wäre deshalb nicht automatisch sinnvoll.
Der Körper produziert fortlaufend Abwehrzellen. Nicht benötigte Zellen werden wieder abgebaut. Welche Menge an Immunzellen für einen optimalen Schutz erforderlich ist, lässt sich nicht allgemein bestimmen. Auch die Forschung versteht noch nicht alle Zusammenhänge der Immunantwort vollständig.
Deshalb ist der Begriff «Immunsystem stärken» wissenschaftlich nur eingeschränkt aussagekräftig. Sinnvoller ist es, die normalen Funktionen des Körpers zu unterstützen und Faktoren zu vermeiden, die die Abwehr beeinträchtigen können.
 

Welche Rolle die Ernährung spielt

Eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen ist eine wichtige Voraussetzung für ein funktionierendes Immunsystem. Ein ausgeprägter Nährstoffmangel kann die körpereigene Abwehr schwächen und die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen.
Eine ausgewogene Ernährung hilft dabei, den Bedarf an wichtigen Nährstoffen zu decken. Empfehlenswert sind insbesondere:

  • Obst und Gemüse als Bestandteile einer abwechslungsreichen Ernährung
  • Vollkornprodukte zur Ergänzung der täglichen Nährstoffversorgung
  • Eine insgesamt ausgewogene Lebensmittelauswahl

Nahrungsergänzungsmittel sind dagegen kein pauschaler Ersatz für eine ausgewogene Ernährung. Ob eine Ergänzung sinnvoll ist, hängt unter anderem von der individuellen Versorgung und möglichen Mangelzuständen ab.
 

Vitaminpräparate und vermeintliche Wundermittel

Vitaminpräparate und pflanzliche Produkte werden häufig mit dem Versprechen beworben, die Abwehrkräfte zu stärken oder Erkältungen vorzubeugen. Für viele dieser Aussagen fehlen jedoch belastbare wissenschaftliche Belege.

Vitamin C

Vitamin C ist ein wichtiger Nährstoff für den Körper. Daraus lässt sich allerdings nicht ableiten, dass hoch dosierte Präparate bei ausreichend versorgten Menschen das Immunsystem zusätzlich wirksam stärken. Eine routinemässige Einnahme hoch dosierter Vitamin-C-Präparate zur Vorbeugung oder Behandlung von Erkältungen ist wissenschaftlich nicht allgemein belegt.
Eine ausreichende Versorgung lässt sich in der Regel über eine abwechslungsreiche Ernährung erreichen. Vitamin-C-reiche Lebensmittel sind beispielsweise Paprika, Zitrusfrüchte, Brokkoli und Kiwis.

Pflanzliche Präparate und weitere Nahrungsergänzungsmittel

Auch für pflanzliche Produkte wie Echinacea und andere Präparate sind die wissenschaftlichen Ergebnisse nicht einheitlich. Aus einzelnen Untersuchungen oder Erfahrungsberichten lässt sich keine verlässliche allgemeine Wirkung gegen Erkältungen ableiten.
Bei Nahrungsergänzungsmitteln sollte deshalb zwischen einer nachgewiesenen Wirkung bei einem konkreten Mangel und einem nicht belegten Versprechen zur allgemeinen Stärkung der Immunabwehr unterschieden werden.
 

Schlaf, Bewegung und Stressreduktion

Statt auf einzelne Wundermittel zu setzen, lohnt sich der Blick auf grundlegende Gewohnheiten des Alltags. Ein gesunder Lebensstil unterstützt die normalen Körperfunktionen und trägt dazu bei, die Voraussetzungen für eine funktionierende Immunabwehr zu erhalten.

Ausreichend Schlaf

Schlaf gehört zu den wichtigen Grundlagen der körperlichen Regeneration. Eine regelmässige Schlafroutine und ausreichend Erholung helfen dabei, die allgemeinen körperlichen Funktionen zu unterstützen.

Regelmässige Bewegung

Bewegung ist ein weiterer Bestandteil eines gesunden Lebensstils. Regelmässige körperliche Aktivität unterstützt die Gesundheit. Sie sollte an die persönliche Belastbarkeit angepasst werden und Teil einer langfristig umsetzbaren Routine sein.

Stress reduzieren

Anhaltender Stress kann sich auf verschiedene körperliche Prozesse auswirken. Entspannungsmethoden können helfen, Belastungen im Alltag besser zu bewältigen. Welche Methode geeignet ist, hängt von den individuellen Bedürfnissen ab.
 

Hygiene und Impfungen schützen vor Infektionen

Neben dem Lebensstil gibt es konkrete Massnahmen, die helfen, Infektionen vorzubeugen. Dazu gehören eine gute Händehygiene und der sachgerechte Umgang mit Lebensmitteln. Fleisch sollte gründlich durchgegart werden, um das Risiko lebensmittelbedingter Infektionen zu reduzieren.
Eine besonders wichtige Rolle spielen Impfungen. Sie bereiten das Immunsystem gezielt darauf vor, bestimmte Krankheitserreger zu erkennen und auf sie zu reagieren. Welche Impfungen empfohlen sind, hängt unter anderem vom Alter, dem Gesundheitszustand und individuellen Risikofaktoren ab.
Impfungen unterscheiden sich damit grundlegend von Produkten, die eine unspezifische Stärkung der Abwehr versprechen. Sie richten sich gegen bestimmte Erreger und dienen der Vorbeugung definierter Infektionskrankheiten.
 

Was sich aus der Studienlage ableiten lässt

Die wissenschaftliche Betrachtung des Immunsystems zeigt, dass es keine einzelne Massnahme gibt, die bei allen Menschen einen umfassenden Schutz vor Infektionen gewährleistet. Auch eine gesunde Lebensweise kann nicht verhindern, dass man krank wird.
Wichtiger ist eine Kombination verschiedener Massnahmen:

  • Eine ausgewogene, nährstoffreiche Ernährung
  • Ausreichend Schlaf und regelmässige Erholung
  • Regelmässige körperliche Bewegung
  • Der Verzicht auf Tabak und ein zurückhaltender Umgang mit Alkohol
  • Stressreduktion im Alltag
  • Gute Händehygiene und sichere Lebensmittelzubereitung
  • Impfungen entsprechend den geltenden Empfehlungen

Bei Nahrungsergänzungsmitteln und vermeintlichen Immunboostern ist dagegen eine kritische Einschätzung wichtig. Ein Produkt, das mit einer Stärkung der Abwehr wirbt, ist nicht automatisch wirksam. Bei einem vermuteten Nährstoffmangel oder Fragen zur Einnahme von Präparaten kann eine medizinische Beratung helfen, den tatsächlichen Bedarf zu klären.
 

Fazit: Die Grundlagen sind wichtiger als Immunbooster

Das Immunsystem lässt sich nicht wie ein Muskel gezielt auf Knopfdruck verstärken. Es handelt sich um ein komplexes System, dessen Schutzfunktion von vielen Faktoren abhängt. Wissenschaftlich sinnvoll ist es deshalb, die normalen Funktionen des Körpers durch eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, Bewegung, Stressreduktion und gute Hygienemassnahmen zu unterstützen.
Impfungen bieten zudem einen gezielten Schutz vor bestimmten Infektionskrankheiten. Für viele beworbene Nahrungsergänzungsmittel und vermeintliche Wundermittel ist eine allgemeine immunstärkende Wirkung hingegen nicht ausreichend belegt.
 
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Quellenhinweis

Dieser Beitrag basiert auf einem Fachartikel von Watson zum Thema Immunsystem und wissenschaftlich belegte Massnahmen. Den Originalbeitrag finden Sie hier:

https://www.watson.ch/wissen/gesundheit/551852944-immunsystem-staerken-was-wissenschaftlich-belegt-ist